2004 war für Linde – wie für die meisten international tätigen Unternehmen – ein Jahr mit Licht und Schatten.

Die Weltwirtschaft hat im vergangenen Jahr eine Dynamik entfaltet wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Getragen wurde dieser Aufschwung vor allem von den Wachstumsmärkten in Asien – allen voran China – und den USA. Europa und Deutschland konnten mit der globalen Entwicklung allerdings nicht Schritt halten, obwohl auch hierzulande die Wirtschaft erstmals seit drei Jahren wieder wuchs.
Zu Euphorie besteht aber kein Anlass. Denn nicht nur der starke Anstieg des Ölpreises in den vergangenen Monaten bremst aktuell die Weltwirtschaft. Auch in den bisherigen Wachstumsregionen USA und China scheint der Höhepunkt des kurzen Booms bereits wieder überschritten. Für Deutschland und den europäischen Markt sagen die Experten für 2005 abermals eine eher verhaltene Wirtschaftsentwicklung voraus. Einziges Zugpferd bleibt bei der anhaltend schwachen Binnennachfrage trotz des starken Euro der Export.
Für Linde bedeutet diese Analyse: Wir müssen uns international in Zukunft noch breiter aufstellen als bisher, um auf regionalen Märkten unsere Chancen besser nutzen und uns von Konjunkturschwankungen besser abkoppeln zu können. Außerdem bedarf es zusätzlicher Anstrengungen, um unsere internen Strukturen an die Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs anzupassen.
Einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg haben wir im vergangenen Jahr mit dem zwar schmerzlichen, aber ökonomisch notwendigen Verkauf unserer Gründungssparte Kältetechnik erreicht. Mit der Konzentration auf die beiden Konzernsäulen Gas und Engineering sowie Material Handling haben wir unsere Kräfte dort gebündelt, wo wir den größten Mehrwert schaffen können. Unsere aktuelle Geschäftsentwicklung zeigt, dass diese Entscheidung richtig war.
Linde ist ein profitabler Technologiekonzern, der in allen seinen Geschäftsfeldern weltweit Spitzenpositionen besetzt und über eine hohe Ertragskraft verfügt. Das operative Ergebnis (EBITA (Glossar)) stieg 2004 um 14,9 Prozent auf 785 Mio. €, der Jahresüberschuss erhöhte sich von 108 Mio. € auf 274 Mio. €. Der Konzernumsatz kletterte um 4,8 Prozent auf 9,421 Mrd. €, während der Auftragseingang mit 9,637 Mrd. € um 6,1 Prozent über dem Vorjahreswert lag.
An dieser positiven Ertragsentwicklung wollen wir unsere Aktionäre teilhaben lassen. Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 8. Juni 2005 deshalb vorschlagen, die Dividende auf 1,25 € je Stückaktie zu erhöhen.
Im Geschäftsjahr 2005 sehen wir in allen Konzernbereichen weitere Wachstumschancen. Wir werden deshalb unsere planmäßig verlaufenden Optimierungsprogramme konsequent fortsetzen und unsere Strukturen und Prozesse weiter verbessern. Unser Ziel ist klar: Wir wollen am Ende des Jahres 2005 in allen operativen Kennzahlen wiederum besser sein als 2004.
Es ist unser Anspruch, ein in jeder Hinsicht vorbildliches Unternehmen zu sein, das das Prädikat „LeadIng.“ verdient. Ein Unternehmen, das hohes Vertrauen seiner Anleger ebenso genießt, wie das Vertrauen der Mitarbeiter, der Kunden und der Gesellschaft insgesamt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir von 2005 an unser Bekenntnis zur unternehmerischen Verantwortung noch stärker als elementaren Bestandteil in unserer Unternehmenskultur verankern. Wir übernehmen noch bewusster als bisher Verantwortung für die Umwelt, unsere Mitarbeiter und die Gesellschaft. Um die Öffentlichkeit über unsere Strategie und die vielfältigen Aktivitäten auf diesen Gebieten zu informieren, werden wir als sichtbares Zeichen im Herbst dieses Jahres erstmals einen Corporate Responsibility Report veröffentlichen. Die neue Publikation, die dann gemeinsam mit dem Geschäftsbericht umfassend Auskunft darüber geben wird, wofür Linde steht, ist auch der Grund, weshalb wir im vorliegenden Bericht auf eine gesonderte Darstellung wichtiger Themen wie Forschung und Entwicklung, Mitarbeiter sowie Sicherheit, Qualität und Umweltschutz außerhalb des Lageberichts verzichtet haben. Diese Themen behandeln wir in Zukunft ausführlich in unserem Corporate Responsibility Report.
Meine Damen und Herren, der vor Ihnen liegende Geschäftsbericht trägt den ehrgeizigen Titel „Was zählt.“. Ehrgeizig deshalb, weil wir bei Linde damit klar machen, was für uns heute und morgen wichtig ist, und uns daran messen lassen wollen. Innovation, Internationalität und Leistung sind die drei Schlüsselbegriffe, die uns auf den Märkten von heute und den Märkten von morgen unverwechselbar und erfolgreich machen werden. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, das 125 Jahre alte Traditionsunternehmen Linde behutsam zu modernisieren. Ergebnis dieses Prozesses wird sein, dass der Name Linde überall auf der Welt zum Synonym für beste Ingenieurleistung, für höchste Kompetenz und Spitzenqualität steht – in allem, was wir tun. Das ist es, was für uns langfristig zählt und sich für Sie, unsere Anteilseigner, auszahlen wird.

Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle
Vorsitzender des Vorstands
der Linde AG
